Jeder kennt ihn:

 

Den großen Sanften mit den Puschelohren!

Aber wie heißt er eigentlich richtig?

- Heißt er Altdeutscher Schäferhund?

- Heißt er Deutscher Langhaarschäferhund?

- Oder vielleicht Langstockhaariger Deutscher Schäferhund?

 

Der Deutsche Schäferhund und seine langstockhaarigen Kinder!

(Unerwünschter Zuchtfehler oder erhalten gebliebene,wunderschöne Erbanlage)

 

Zum Ende des 19.Jh. waren, neben stockhaarigen, auch rauh-, zottel- und langstockhaarige Hütehunde an der Enstehung des Deutschen Schäferhundes maßgeblich beteiligt. Sie unterschieden sich in Größe, Farbe, Ohren- und Rutenhaltung.

Aber eines hatten sie alle gemeinsam.

Alle waren anspruchslose, unermüdliche Arbeiter, ausgestattet mit Intelligenz, Führigkeit, Beflissenheit und den besten Hütehundeigenschaften.

 

Rittmeister Max von Stephanitz gründete 1899, mit einer Gruppe gleichgesinnter Schäfer, Hütehund-Liebhabern und Idealisten einen Zuchtverein für den DSH, mit dem Ziel vor Augen, einen, auf vielen Gebieten einsetzbaren, Alleskönner von einheitlichem Erscheinungsbild anzustreben. Er sollte möglichst wolfsähnlich und mittelgroß mit Stehohren und einer herabhängenden Rute sein, sowie beste Gebrauchshundeigenschaften besitzen.

Dem angestrebten Zuchtziel kam die Verpaarung vom Württemberger und Thüringer am Nächsten.

 

Württemberger (ausgestorben):

einstiger großer, durchsetzungsfähiger, meist schlappohriger Herdenschutzhund mit herabhängender Rute, kräftigem Gebäude und mit guten Winkelungen versehene, lange Laufknochen

 

Thüringer (ausgestorben):

kleiner, nerviger Arbeiter mit Stehohren, einer kurzen, oft gerollten Rute und gern von grauer Farbe

 

Nach und nach verschwanden die gestromten, gescheckten und einfarbigen Hunde aus dem Zuchtgeschehen. Selbst die Weißen, welche maßgeblich beteiligt waren, verschwanden. Ebenso erging es auch den Rauh-, Lang- und Zottelhaarigen.

Nur die Langstockhaarigen mit Unterwolle fanden weiterhin ihren Einsatz in der Zucht, da ja das angestebte Fell des DSH ein, mit guter Unterwolle versehenes, Stockhaar sein sollte.

 

Die Schäfer ließen sich nicht vom wahren Wert ihrer fleißigen Helfer abbringen. Für sie zählten nun mal gute Hüteeigenschaften mehr als Exterieur (äußeres Erscheinungsbild). Ihnen ist es zu verdanken, dass heute noch Hütehunde dieser uralten Schläge existieren.

 

Durch Auslese und intensive Linienzucht konnte in recht kurzer Zeit eine gebrauchstüchtige, äußerlich ansprechende Rasse geschaffen werden.

Obwohl der Standard das Stockhaar vorschreibt, finden immer wieder langstockhaarige Hunde ihre Verwendung in der Zucht.

Nach Ende des zweiten Weltkrieges existierte kaum noch gutes Hundematerial, da sie zu Massen im Kriegsdienst ausgebildet waren und eingesetzt wurden.

Die Züchter standen praktisch vor dem Nichts und mussten einen Neubeginn wagen. Erschwerend für den Zuchtneubeginn war auch die Teilung Deutschlands.

In der ehemaligen DDR wurde die Zucht mit Langstockhaarigen rigoros verboten. Somit wurde das Verpaaren von Langhaar-Vererbern vermieden und man bekam durch die strenge Selektion DSH mit langem Haar eher selten zu Gesicht.

(Liebhaber zahlten für die zuchtuntaugliche Rarität gerne den doppelten Welpenpreis)

Bis in die siebziger Jahre wurden, in den alten Bundesländern, Hunde mit längerem Fell in der Zucht eingesetzt.

Auch wurden oft Inzuchten mit rezessiven (verdeckten) Trägern des Langhaargens vorgenommen.

Es war also kein Wunder, dass immer wieder langstockhaarige Welpen in den Kurzhaar-Würfen lagen, bzw. immer noch liegen.

1991 wurde dem langstockhaarigen Vertreter seiner Rasse entgültig das Zucht- und Ausstellungsverbot erteilt.

Aber die Rechnung hatte der SV ohne die Gene der Schäferhunde gemacht...

(Wie schon erwähnt, wird Langstockhaarigkeit rezessiv vererbt.)

Trotz intensivster Bemühungen gelang es nicht die Langstockhaar-Schäferhunde aus der Zucht zu verbannen.

Eine Handvoll Züchter begannen nach dem Ausschluss, auch ohne Anerkennung des SVs, gezielt zu züchten.

Wir kennen diese so entstandene Rasse unter dem Namen:

 

Altdeutscher Schäferhund

 

Der Altdeutsche Schäferhund unterscheidet sich vom Langstockhaar-Schäferhund dadurch, dass er kein Zufallsprodukt einer Stockhaarverpaarung ist.

Altdeutsche werden über Generationen langstockhaarig gezüchtet.

(Langstockhaar-Schäferhunde: Das Fell ist etwas länger und verfügt über Unterwolle / Langhaar-Schäferhunde: Das Fell ist deutlich länger und mit wenig Unterwolle versehen)

Der Ausschluss aus dem SV erzielte aber auch noch einen anderen Effekt:

Die Züchter der Altdeutschen sind sehr darauf bedacht, Hunde mit geradem Rücken zu züchten.

Das Wesen der Altdeutschen ist weniger triebig, als das der typischen SV-Hunde. Deshalb spricht man auch oft von einem "gebremsten Temerament", was bedeutet, dass die Altdeutschen ruhiger sind und sich ihren eigenen Charme bewahrt haben.

 

                         

 

 

 

 

 

 

Horand von Grafrath

 

geboren:     1895

gestorben:   unbekannt

 

Stammvater der Schäferhundezucht

 

 


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